Einsamkeit ist in Deutschland weiter verbreitet, als die meisten vermuten: Rund 17,3 Millionen Menschen leben allein, und 34 Prozent der 21- bis 54-Jährigen fühlen sich einsam. Wie viele genau betroffen sind, hängt von der Messung ab – deshalb hier die wichtigsten Zahlen, mit Quellen, und mit der Frage, die hinter allen Statistiken steht: Was machen Menschen mit diesem Gefühl?
Wie viele Menschen in Deutschland leben allein?
Gut 17,3 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2025 in einem Single-Haushalt – gut jede fünfte Person (21 Prozent). Das teilt das Statistische Bundesamt mit (tagesschau). Die Zahl ist in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen: 2005 waren es noch rund 14,2 Millionen.
Betroffen sind nicht nur Ältere:
- Über 65: Etwa jede dritte Person (34,4 Prozent) in dieser Altersgruppe lebt allein (tagesschau).
- 25 bis 34 Jahre: Mit 28,7 Prozent die zweithäufigste Altersgruppe (tagesschau).
- Alleinlebende ab 85: Mehr als jede zweite Person (Destatis).
Wichtig: Alleinleben ist nicht dasselbe wie Einsamkeit. Viele Menschen leben gern allein – und viele Menschen, die nicht allein leben, fühlen sich trotzdem einsam.
Wie viele Menschen fühlen sich einsam?
Die Zahlen schwanken je nach Studie und Frageformulierung – ein genauer Blick lohnt sich.
Nach der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts (2022):
- 16,3 Prozent der Bevölkerung ab 10 Jahren fühlen sich oft einsam (Destatis).
- Gut jede vierte alleinlebende Person (25,8 Prozent) fühlt sich oft einsam (Destatis).
- Von den alleinlebenden Menschen unter 30 fühlen sich sogar 35,9 Prozent oft einsam (Destatis).
Nach dem Einsamkeitsbarometer (Kompetenznetz Einsamkeit, auf Basis des SOEP): Die Einsamkeitsbelastung stieg von rund 8 Prozent im Jahr 2017 auf rund 28 Prozent im ersten Pandemiejahr 2020 und lag 2021 bei etwa 11 Prozent (BMBFSFJ).
Nach der Familienpolitischen Studie FReDA: 34 Prozent der 21- bis 54-Jährigen in Deutschland fühlen sich einsam – auch dieser Wert ist auf deiner Startseite Grundlage des Angebots.
Nach dem TK-Einsamkeitsreport 2024: Rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, Einsamkeit häufig, manchmal oder selten zu empfinden (Techniker Krankenkasse).
Der scheinbare Widerspruch zwischen 11, 16 und 60 Prozent löst sich auf, wenn man die Fragen vergleicht: Je nachdem, ob nach „oft“, „manchmal“ oder überhaupt nach Einsamkeitserfahrung gefragt wird, fallen die Antworten unterschiedlich aus. Einsamkeit ist kein Zustand, sondern ein Gefühl mit Abstufungen.
Einsamkeit ist kein Schicksal und keine Diagnose. Sie ist ein Gefühl – und ein Gefühl, über das man reden kann.
Wer ist besonders betroffen?
Die Daten des Einsamkeitsbarometers zeigen Muster (BMBFSFJ):
- Junge Erwachsene waren 2020 erstmals stärker einsamkeitsbelastet (32 Prozent der 18- bis 29-Jährigen) als Menschen über 75.
- Frauen weisen eine höhere Einsamkeitsbelastung auf als Männer.
- Armut, Care-Arbeit und Migration hängen stark mit erhöhter Einsamkeit zusammen.
- Einsamkeit wirkt sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit aus.
Gegen das verbreitete Bild vom einsamen alten Menschen sprechen die Daten eine andere Sprache: Gerade die Jüngeren sind stärker betroffen, und die hochaltrigen Menschen eher selten – die Einsamkeit hochaltriger Menschen hat sich während der Pandemie allerdings verdoppelt (BMBFSFJ).
Das Tabuthema: Darüber wird kaum geredet
Die vielleicht aufschlussreichste Zahl des TK-Einsamkeitsreports 2024 ist nicht die, wie viele sich einsam fühlen – sondern die, wie viele darüber schweigen. Von den Menschen, die Einsamkeit kennen:
- hat sich etwa jede vierte Person noch nie jemandem anvertraut (TK),
- halten 58 Prozent andere mit ihren Sorgen nicht für die richtige Adresse, weil sie niemanden belasten möchten,
- ist es 29 Prozent unangenehm, zuzugeben, dass sie einsam sind.
Einsamkeit ist damit ein Gefühl, das meistens in Gesellschaft bleibt – und gerade deshalb einsam macht. Genau hier setzt Reden an: nicht als Lösung aller Probleme, sondern als Ausweg aus dem Kreislauf. Wer einmal ausspricht, was sonst unsagbar bleibt, verändert die Lage – auch das beschreibt niemanden zum Reden: Warum Menschen um dich herum nicht reichen.
Wo es Unterstützung gibt
- Kompetenznetz Einsamkeit (KNE): Bündelt Anlaufstellen und Projekte gegen Einsamkeit bundesweit (BMBFSFJ).
- Telefonseelsorge: Kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 – wenn einfach jemand zuhören soll (NDR).
- Ein Zuhör-Gespräch: Wenn du über deine Einsamkeit mit jemandem sprechen möchtest, der keine Rolle in deinem Leben spielt. So läuft ein Gespräch bei Dein Niemand ab.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen in Deutschland sind einsam?
Je nach Studie und Definition fühlen sich etwa 11 bis 16 Prozent der Menschen häufig einsam; rund 60 Prozent kennen das Gefühl zumindest gelegentlich (BMBFSFJ, TK).
Fühlen sich Jüngere oder Ältere einsamer?
Junge Erwachsene sind stärker betroffen als das verbreitete Bild vom einsamen Alter vermuten lässt. 2020 waren 32 Prozent der 18- bis 29-Jährigen einsamkeitsbelastet – mehr als die Menschen über 75 (BMBFSFJ).
Ist Einsamkeit eine Krankheit?
Nein. Einsamkeit ist ein Gefühl und keine Diagnose. Anhaltende Einsamkeit kann aber die Gesundheit belasten und mit anderen Belastungen zusammenhängen – wer darunter leidet, findet über die hausärztliche Praxis oder das Kompetenznetz Einsamkeit Anlaufstellen.
Wie viele Menschen leben allein in Deutschland?
Rund 17,3 Millionen Menschen – gut jede fünfte Person (tagesschau).

